Wolfartsweier lässt Punkte in Überzahl liegen


Die Zeit heilt alle Wunden. Der französische Philosoph und Historiker Voltaire hat diesen Spruch im 18. Jahrhundert getätigt und damit nur bedingt Recht. Zwar ist seit dem Spiel gegen Espanol 2 noch nicht viel Zeit ins Land gezogen, dennoch kann man davon ausgehen, dass diese 90 Minuten den Spielern des ASV noch etwas länger Kopfschmerzen bereiten werden.

Um 10:45 Uhr traf man sich bereits am Jagdgrund, um sich mit der Reserve der spanischen Delegation aus Karlsruhe zu messen. Manch ein Spieler kennt diese Uhrzeit für einen Treffpunkt eher aus Mallorca, um das Freibier im Megapark abzugreifen, als sich so früh für ein Ligaspiel treffen zu müssen. Gegen den Tabellenzweiten sollten drei Punkte mit nach Hause gebracht, gerade wenn man bedenkt, dass bei den Spaniern der eine oder andere Spieler nicht einsetzbar war.
Für den ASV sollten Strücker im Tor und Messina, Kuntz, Petriccione, Beyer und Krahl in der Abwehr für eine stabile Defensive sorgen. In der offensiven Abteilung schenkte Trainer Uwe Esch Müller, Mutz, Peluso, Santamaria und Jungbauer sein Vertrauen. Auf der Bank dann nochmal die volle Ladung Offensive mit Esch, Wieseler, Epanlo und Dayanc, der nach Verletzung erstmals wieder im Kader stand.
Das Spiel gesateltete sich vom Anpfiff weg recht zerfahren. Auf teilweise schwerst zu bespielenden Geläuf wurde eher mit langen Bällen operiert statt mit gepflegtem Kurzpassspiel. Der Respekt für die gegnerische Mannschaft schien auf beiden Seiten groß und Angriffe, die in einer aussichtsreichen Abschlussposition endeten, wurden nicht konsequent zu Ende gespielt.  So dauerte es bis zur 20. Minute, ehe das erste Mal auf Gästeseite gejubelt werden durfte.
Nach einem langen Ball des ASV konnten die Spanier das Spielgerät – auch aufgrund der pfützenartigen Platzverhältnisse im und um den Sechzehner – nicht klären. So ließ sich Santamaria nicht zweimal bitten und beförderte das Spielgerät aus kurzer Entfernung in die Maschen. Fabian Mutz hätte nur wenige Minuten später auf 2:0 aus ASV-Sicht erhöhen können, doch der quirlige Offensivspieler verziehte in der 35. Minute knapp.
So kam es wie so oft in den letzten Wochen. Nach einer Standardsituation war die Hintermannschaft des ASV nicht wirklich sortiert und konnte einen Kopfball von Benda nicht verteidigen. Craiu staubte aus kurzer Entfernung ab und jubelte mit seinen Männern  über den Ausgleich.
Kurz vor der Halbzeit dann eine Szene, die das Spiel nachhaltig prägen sollte. Der Spanier Kordokouzis kam auf Höhe der Mittellinie gegen Mutz etwas zu spät und holte den ASV-Spieler von hinten rüde von den Beinen. Schiedsrichter Primerano zeigte rot. Eine harte Entscheidung – gelb hätte es auch getan – zumal bis zu diesem Zeitpunkt noch keine einzige Verwarnung vom Schiedsrichter ausgesprochen wurde und es sich in den ersten 45 Minuten um eine sehr fair geführte Partie handelte.

In der zweiten Halbzeit war dann Schluss mit Ruhe und Besonnenheit. Es sollten noch sechs Tore fallen, fünf gelbe Karten verteilt und zwei Platzverweise ausgesprochen werden.
Doch der Reihe nach - zunächst brachte Esch für Jungbauer und Müller Dayanc und Esch. Letzterer brauchte nur knapp 15 Minuten, um seine Mannschaft jubeln zu lassen. Ein Freistoß aus halbrechter Position von Kuntz fand den Stürmer, der hochstieg und per Kopf zur erneuten Führung für den ASV traf.
Die Spanier verlagerten ihr Spiel in Anbetracht der numerischen Unterzahl in der zweiten Halbzeit auf Konterspiel und wurden nur fünf Minuten später von Schiri Primero dafür belohnt. Ein langer Ball der Spanier konnte nicht geklärt werden und ging bis in den Strafraum des ASV, wo sich Espanol-Stürmer Nichita sagen wir mal „clever“ im Zweikampf anstellte und wie vom Blitz getroffen zu Boden ging. Schiri Primerano tat ihm den Gefallen und pfiff auf Strafstoß, welchen Selimovic rechts unten verwandeln konnte.
Wer dachte, dass die Partie ihren Höhepunkt erreicht hatte, wurde eines besseren belehrt. Erst traf Dayanc nach feiner Flanke von Mutz per Volleyabnahme zur erneuten Führung für den ASV in der 75. Minute. Dann dachte sich Kuntz, der bereits gelb verwarnt war, dass es doch unfair ist so lange in Überzahl zu spielen und holte sich für ein hartes einsteigen vor dem Strafraum seine zweite Gelbe am Sonntag ab. Bei zehn gegen zehn war natürlich mehr Platz für schnelle Konter auf dem Spielfeld vorhanden und der ASV nutzte diesen sofort. Ein Pass von Jungbauer in die Tiefe wurde von Peluso erlaufen. Der Stürmer blickte nicht nur auf den Ball, sondern auch in den Strafraum, wo er Esch sah und dieser im zweiten Anlauf denn den Ball zum 4:2 über die Linie drückte.
Wer dachte, dass damit das Ding durch war, wurde erneut eines besseren belehrt. Nach einem Freistoß von der Außenlinie stieg Nichita in der 82. Minute am höchsten und verkürzte wieder auf nur ein Tor.
Leider hatte darauf folgend ein spanischer Verteidiger seine Nerven gegen Esch nicht im Griff und trat den am Boden liegenden Spieler nachträglich. Es folgte die zweite rote Karte für die Spanier an diesem Tag. Der ASV führte 4:3 und war wieder ein Mann mehr. Das sollte doch reichen für die so wichtigen drei Punkte – sollte man meinen. Espanol-Kapitän Benda hatte etwas dagegen und schoss seine Mannschaft mit einem strammen Schuss aus knapp 20 Metern in den siebten Himmel.
Kurz vor dem Schlusspfiff dann nochmal die Chance zur Führung für den ASV – doch Esch verlor den entscheidenden Zweikampf gegen Meloni, bevor er auf den völlig blank stehenden Peluso quer legen konnte.

Mit dem Schlusspfiff gingen bei den Spaniern beide Arme nach oben – zeitgleich die Köpfe bei den Spielern aus Wolfartsweier nach unten. Dieses Spiel hätte man nie und nimmer aus der Hand geben dürfen. Gegen spielerisch dezimierte Spanier waren drei Punkte definitiv drin – doch der Wille, etwas Zählbares mitzunehmen, schien bei den Gastgebern einen Ticken höher gewesen zu sein.
Letzte Woche holte man nach 0:3 noch einen Punkt – diesen Sonntag verspielte man ein 4:2 und ist der Depp.
So geht man nun in die Winterpause und weiß nicht genau, wo man steht. Schaut man sich die bisherigen Spiele mal an gab es nicht ein Spiel, in dem man die schlechtere Mannschaft war. Leider hat es die Mannschaft aber zu selten geschafft, in den engen Spielen über die eigene Schmerzgrenze hinauszugehen. Wenn sie es schafft, in der Winterpause an diesem Problem zu arbeiten und gewillt ist, alles nochmal in die Waagschale zu werfen, ist die Saison noch lange nicht durch. Vier Punkte sind es auf den Relegationsplatz – bei noch 13 zu spielenden Spielen ist da noch alles drin.
Der ASV ist gut beraten damit, weiterhin von Spiel zu Spiel zu denken und jedes Spiel so anzugehen, als ginge es um alles. Wenn die Mannschaft sich dieser Herausforderung stellt, dürfen sich die Anhänger des ASV auf einen spannenden Frühling freuen.

Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal bei allen Verantwortlichen, Betreuern, Zuschauern und Spielerfrauen für die Unterstützung im Jahr 2018 und wünschen allen besinnliche Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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